Ellen Tordesillas

Ellen Tordesillas, Journalistin von den Philippinen
Neue Stipendiatin der Stadt Hamburg im Herbst 2020


Die Pressemitteilung der Hamburger Stiftung

Monatelang hat das Corona-Virus auch die Pläne der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte durchkreuzt. Umso glücklicher sind wir, endlich den zweiten Gast dieses Jahres in Hamburg begrüßen zu können.

Ellen Tordesillas (73) gilt zu Recht als „grande dame“ des philippinischen Investigativ-Journalismus. Seit sie in den 1980er Jahren die politischen Verbrechen und die schamlose Bereicherung des Diktatorenpaars Ferdinand und Imelda Marcos enthüllte, hat sie jede Präsidentschaft kritisch begleitet und zur Aufklärung der wichtigsten Korruptions- und Amtsmissbrauchsskandale auf den Philippinen beigetragen. Die von ihr mitbegründete Fact-Checking-Plattform „VERA Files“ ist der Zusammenschluss langjähriger und mutiger Journalisten, die durch aufwendige Rechercheprojekte sowie durch Fortbildung und Mentoring die Qualität des philippinischen Journalismus fördern will.

„Die Macht der Medien liegt in ihrer Funktion, Informationen öffentlich zur Diskussion zu stellen. Eine informierte Öffentlichkeit bringt mündige Bürger hervor“, sagt VERA-Files-Präsidentin Ellen T. Tordesillas. (Link) In nur wenigen anderen Ländern werden so viele Journalisten ermordet wie auf den Philippinen. Im Ranking von Reporter ohne Grenzen steht das Land bezüglich der Pressefreiheit auf Platz 136 von 180. Kritische Journalisten müssen mit Verleumdungsklagen, mit Gewalt und sogar mit tödlichen Anschlägen rechnen. Die Täter gehen in der Regel straffrei aus. Ellen Tordesillas hat den amtierenden Präsidenten Rodrigo Duterte als die philippinische Hauptquelle von Fake News identifiziert. Sie beschreibt die gewalttätigen Methoden, mit denen Duterte gegen kritische Medienvertreter vorgeht. Deshalb gilt Tordesillas so gefährdet wie noch nie. Immer wieder erhält die mehrfach ausgezeichnete Journalistin Morddrohungen.

Rückzug steht für sie dennoch außer Frage. Ihr Stipendium in Hamburg möchte sie unter anderem nutzen, um nach Jahren der Anspannung in Ruhe ein Buch über Rodrigo Duterte und die Lage auf den Philippinen zu schreiben.

Wir möchten allen Behörden und Ämter, die mit dem Fall befasst waren, für die Unterstützung danken. Wir danken den „Reporter ohne Grenzen“ und den „Journalisten helfen Journalisten“ für ihre finanzielle Hilfe.
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