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Journalisten helfen Journalisten e.V. (JhJ) wurde 1993 gegründet, als der Krieg in Ex-Jugoslawien auch unter Journalisten die ersten Opfer gefordert hatte. Zu ihnen gehörte auch der Reporter der Süddeutschen Zeitung, Egon Scotland. In Erinnerung an ihn, an die Fotografin Anja Niedringhaus (ermordet 2014 in Afghanistan ) und viele weitere getötete und verfolgte Kolleginnen und Kollegen versucht JhJ weltweit in Not geratenen Kolleginnen und Kollegen und deren Familien in Kriegs- und Krisenregionen zu helfen. Einer der ersten, denen geholfen wurde, war der bosnische Autor Dzevad Karahasan. Zu den Mitbegründern von JhJ gehörte auch der SZ-Journalist Herbert Riehl-Heyse (1940 – 2003). Im Jahr 2004 erhielt JhJ den Leipziger Medienpreis.

 

ZWEI FREUNDE, DIE UNS WICHTIG BLEIBEN

Von Roman Arens

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Wie in diesem Frühjahr viele Flüchtlinge auf ihrem Weg aus Krieg und Not gestoppt wurden, so mussten auch einst die vor Saddam Hussein in die Türkei geflohenen Kurden wie hunderttausende Leidensgenossen in Schlamm und Kälte ausharren. Sie wurden mit Waffengewalt daran gehindert, aus den schneebedeckten Bergen ins sichere, wärmere Tal abzusteigen. Das Foto hier oben (Privatarchiv Christiane Schlötzer) ist 25 Jahre alt.

Ob die interessiert umstehenden Kurden beim türkischen Dorf Isikveren verstanden haben, was die beiden deutschen Journalisten zu sagen hatten? Egon Scotland, Reporter der Süddeutschen Zeitung, wie so oft in scheinbar lässiger Haltung, aber sehr konzentriert, und Rupert Neudeck, mit dem Mikrophon in der Hand Redakteur des Deutschlandfunks. Der aber hatte kaum mal nur seine journalistische Arbeit, sondern meistens auch seine humanitäre Mission im Kopf und verfasste  seine Texte oft hurtig auf den Knien im Flugzeug oder bei einer Wartepause.

Für Egon, den neun Jahre Jüngeren, war die Reise in die türkischen Kurdengebiete und danach zu den Schiiten im südiranischen Basra sein vorletzter großer Auslandseinsatz. Seine Reportagen waren gründlich, faktenreich, detailliert und verrieten Hintergrundwissen. Bei seiner letzten Reise in den Krieg in Ex-Jugoslawien wurde er bei der kroatischen Stadt Glina von einem Heckenschützen ermordet. Der serbische Milizen-Anführer Dragan Vasiljkovic muss sich nun für die Tat vor Gericht verantworten. „Einen solchen Tod nenne ich immer einen Mord“, schreibt Rupert in seinen Erinnerungen, „Und so beklage ich den Mord an einem der fähigsten Auslandsreporter deutscher Zunge, aber auch den Mord an einem liebenswürdigen Freund.“ Dieser hat sein Leben am 26. Juli 1991 verloren – vor 25 Jahren.

Für Rupert schien das rastlose Reisen in unzählige Länder der aus den Fugen geratenen Welt nie aufzuhören. Als er die Führung von Cap Anamur nach langen Jahren und Zögern aufgegeben hatte, gründete er mit seiner Frau Christel die Grünhelme. Es war wie ein Neuanfang, er organisierte weiter Hilfsprojekt nach Hilfsprojekt, nervte fröhlich und unerschrocken potentielle Geldgeber, überrannte bürokratische Hindernisse, mahnte auf allen Kanälen zur Solidarität. Er fand große Anerkennung – auch, weil er stellvertretend für viele handelte und ihnen die Last eines schlechten Gewissens wegen vieler warmer Worte, aber eines Defizits an konkreter Tat erleichterte. Rupert starb am 31. Mai nach einer Operation. Er ist, sagte eine alte kroatische Freundin, „an den syrischen Flüchtlingen gestorben“.

Im Gedenken an Egon wurde ein Jahr nach seinem Tod mit einer Sach- und Geldspendensammlung für notleidende Journalisten und ihre Familien in Ex-Jugoslawien begonnen. Weil das überraschend erfolgreich anlief, musste dafür aus rechtlichen und steuerlichen Gründen eine organisatorische Form gefunden werden. Ob Cap Anamur der Form halber ein Dach bieten könnte? In Gesprächen mit Christel und Rupert wurde dies verworfen, weil die Idee der Journalisten-Initiative für eine Organisation wie Cap Anamur zu speziell war. Also wurde im Frühjahr 1993 ein eigener Verein gegründet, dessen Name von einer Münchner Vorgänger-Initiative aus den späten siebziger Jahren entlehnt wurde: Journalisten helfen Journalisten. Das war der Anfang von JhJ in seiner heutigen Form.

 

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Latest News

Aktuelle Termine

26. Juli 2016

25. Todestag von Egon Scotland

28. November

JhJ-Jahresmitgliederversammlung

4. Dezember

Johann-Philipp-Palm-Preis in Schorndorf

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Neuerscheinungen

Christiane Schlötzer
„Lesereise Türkei“
Picus Verlag,
Wien 2016

Dzevad Karahasan
„Der Trost des Nachthimmels“
Roman
Frankfurt am Main, 2016

Christiane Grefe
„Global Gardening“
Bioökonomie – Neuer Raubbau oder Wirtschaftsform der Zukunft?
München, 2016

Zora del Buono
„Das Leben der Mächtigen“
Reise zu den alten Bäumen
Berlin, 2015

 

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