Aktuell


Den Glauben an das Gute und die
Gerechtigkeit hatte ich fast schon verloren

Die Rede der bosnischen Journalistin Stefica Galić anlässlich der Verleihung des Johann-Philipp-Palm-Preis 2018

Foto: C. Daniel Grbic, Bebop-Media

Ich fühle mich außerordentlich geehrt und danke allen, die es mir ermöglicht haben, heute hier zu sein und diesen wichtigen Preis entgegen zu nehmen. Der Mann, nach dem der Preis benannt ist, wird mir, das verspreche ich, Inspiration und Ansporn sein für meine weitere Arbeit im Kampf für eine bessere und gerechtere Welt.

Ich erhalte diese Auszeichnung zu einer Zeit, in der ich den Glauben an das Gute und an die Gerechtigkeit fast schon verloren hatte. Sie kommt nicht aus meinem Land, sondern von Ihnen aus Deutschland. Ich kann einfach nicht umhin, an den berühmten Satz zu denken, dass ein Prophet im eigenen Land nichts wert ist. Sei es wie es sei, ich bin glücklich, dass jemand mein Engagement und meinen jahrelangen Kampf erkannt hat. Ich arbeite und kämpfe und hätte weder gedacht, dass ich dafür ausgezeichnet werden könnte noch habe ich es je erwartet. Meine ganze Aktivität ist das Ergebnis dessen, was ich für meine moralische und menschliche Pflicht halte. Nicht weniger und nicht mehr als das. Die ganze Rede


Hetze gegen Journalisten in Europa

„Reporter ohne Grenzen“ veröffentlicht die „Rangliste der Pressefreiheit 2018“

In keiner anderen Weltregion hat sich die Lage der Pressefreiheit im vergangenen Jahr so stark verschlechtert wie in Europa. Journalistinnen und Journalisten sind dort zunehmend medienfeindlicher Hetze durch Regierungen oder führende Politiker ausgesetzt. Das schafft ein feindseliges, vergiftetes Klima, das oft den Boden für Gewalt gegen Medienschaffende oder für staatliche Repression bereitet. Dies zeigt die Rangliste der Pressefreiheit 2018, die Reporter ohne Grenzen am Mittwoch veröffentlicht hat. Weiterlesen


Fake News aus Armut

Weshalb im Ostkongo die Pressefreiheit auf dem Spiel steht

Von Judith Raupp (JhJ), Foto: Privat

David Tsongo (Name geändert) arbeitet als Journalist für ein Kirchenradio in einem Dorf im Ostkongo. Er ist jung, unerfahren und schlecht ausgebildet. Das hat er vor kurzem mit fünf Tagen Gefängnis gebüßt. Der Geheimdienst hatte ihn abgeholt, weil er auf seinem privaten Facebook-Konto schrieb, dass ein Menschenrechtsaktivist verhaftet worden sei. Das Problem an der Geschichte: Die Information stimmte nicht. Der Aktivist war nicht verhaftet, sondern untergetaucht. Tsongo hatte einer einzigen Quelle vertraut, ohne zu prüfen, ob es stimmt, was ihm der Informant erzählte. Weiterlesen.


Der Reiz des Widerstands

Zum Tod von Uli Encke, Auslandskorrespondent und Mitbegründer von JhJ

Von Matthias Fink, Fotos: Martin Binder, privat

Ein Foto zeigt zwei Männer, die sich gegenübersitzen: Der eine ist ein junger Mann, blond, angespannt wirkend, in der Hand hält er ein Mikrofon. Ihm gegenüber hockt ein älterer Mann mit Bart und schwarzer Hornbrille, gekleidet in ein langes Gewand, auf dem Kopf ein weißer Turban.

„Uli, der nimmt Maß an Deinem Hals“, lästerten die Kollegen zu Hause, und vielleicht stimmte es ja: Ulrich Encke, ARD-Hörfunk-Korrespondent in Teheran, im Gespräch mit Ayatollah Sadegh Khalkali. Nicht irgend ein Ayatollah, sondern der Oberste Richter der islamischen Revolution, verantwortlich für Tausende von Todesurteilen, der „Henker der Revolution“, wie er genannt wurde. Weiterlesen

 

 


Aus dem „Atlas der Zivilgesellschaft“ von „Brot für die Welt“


Ein Großer ist gegangen

Zum Tod von Predrag Lucić

Von Nenad Popović, Foto: Privat.

Predrag Lucic

Am 10. Januar ist Predrag Lucić (1964) gestorben, Mitgründer, Autor und Redakteur des Wochenblattes Feral Tribune in Split, der wichtigsten oppositionellen Zeitung in Kroatien der Neunzigerjahre bzw. der Tuđman-Aera. Feral Tribune wurde oft mit Charly Hebdo verglichen, sie erreichte auch in Bosnien, Serbien, Kosovo und Slowenien ein großes Publikum.

Lucić war  ein außerordentlich mutiger Journalist: Als Reporter, aber auch als satirischer Kolumnist, „eine Säule des freien Denkens in Kroatien“, heißt es nun in einem der zahlreichen Nachrufe. Nach der Einstellung des Feral Tribune arbeitete er bei der linksliberalen Tageszeitung Novi list in der Hafenstadt Rijeka. Er war auch Theaterautor, Kabarettist und hat nachdenkliche Lyrikbücher geschrieben. Die von ihm herausgegebene Buchreihe bei Feral Tribune war eine der wichtigsten im post-jugoslawischen Raum.

Mir persönlich war es eine große Ehre, ihn bei der Feral Tribune ‚meinen Redakteur‘ nennen zu dürfen. Meine schönsten Erinnerungen an die Frankfurter Buchmesse gelten den Jahren, als wir uns den Stand teilten, zusammen mit Monika Sznajderman aus Polen, Gabor Csordas aus Ungarn, Christian Marti-Menzel aus Barcelona und Wolfgang Klotz und seiner CEEOL aus Frankfurt. Was für Zeiten!

„Feral“ heißt Leuchtturm. Predrag war ein Orientierungszeichen in den dunkelsten Zeiten Kroatiens und Jugoslawiens.

 


Sein Herz war in Somalia geblieben

Ein Nachruf auf den Karikaturisten Abdirahman Alif

Von Abdirahman Osman (Übersetzung: Tim Neshitov, Foto: Privat)

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Man sagt in Somalia: Willst du richtig berühmt werden, geh in die Ferne. Oder stirb gleich. Das klingt zynisch, ist aber leider oft der Fall mit begabten Menschen in Somalia. Das trifft auf jeden Fall auf den Karikaturisten Abdirahman Abdullahi Alif, der am 6. Dezember im Alter von 46 Jahren starb. Er starb im Exil, in Kenia. Er war lange krank gewesen (Diabetes), ihm war bereits ein Bein amputiert worden.

Alif hatte Somalia 2013 verlassen, und je länger er wegblieb, desto mehr vermisste man ihn dort. Seinen Humor, seinen Mut. Sein Ruhm wurde in der Ferne immer größer. Erst von Kenia aus wurde er in seiner Heimat Somalia zu einem richtigen Star.

Er war einer, der immer neugierig blieb. Einer, der sich nie lustig machte. Er wies auf Missstände hin, mit Humor. Während des Bürgerkrieges in den Neunziger- und den Nullerjahre blieb er in Somalia. Seine Freunde flohen, seine Kollegen flohen. Er blieb. Wurde noch Vater von acht Kindern.

Ich lernte ihn 2006 in der Redaktion der Zeitung Somalische Nationalpost kennen, für die wir damals beide arbeiteten. Ich, ein Jungspund, er ein alter Hase. Weiterlesen

 


Offener Brief an Mesut Koç, Generalkonsul der Republik Türkei in München

Sehr geehrter Herr Generalkonsul,

der 3. Mai wurde 1993 von der UNESCO zum Welttag der Pressefreiheit ausgerufen. Seither wird an diesem Tag weltweit auf die Bedeutung der freien Presse für die demokratische Entwicklung hingewiesen.

In diesem Jahr wenden sich der Bayerische Journalistenverband, der Internationale PresseClub München und der Verein Journalisten helfen Journalisten in einem Offenen Brief an Sie. Gemeinsam appellieren wir an Sie, mit Ihren Mitteln darauf hinzuwirken, dass der türkische Staat die Presse- und Meinungsfreiheit so achtet, wie dies in demokratischen Ländern notwendig und üblich ist.

Sie waren im August vergangenen Jahres zu Gast im Münchner PresseClub und haben schon damals die Befürchtungen der Kolleginnen und Kollegen vernommen, nach dem gescheiterten Putschversuch könnten Meinungsfreiheit und Pressefreiheit in der Türkei einschränkt und Journalisten bei ihrer Arbeit behindert, ja sogar verfolgt werden. Sie haben damals versichert, für solche Sorge bestehe kein Anlass, die Freiheit der Presse sei gewährleistet, und jeder Inhaftierte erhalte ein rechtsstaatliches Verfahren nach europäischen Maßstäben.

Den offenen Brief von Journalisten helfen Journalisten e.V., Bayerischer Journalisten-Verband e.V. und Presseclub München e.V.  weiterlesen

 


„Noch sind wir wenige“

Ein Journalist in Ost-Kongo erzählt, warum er seinen Beruf trotz allem nicht aufgibt

Von JhJ

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Reagan Mwanaweka redet nicht lange darum herum. „Pressefreiheit existiert bei uns nicht“, sagt der junge Journalist in Goma, im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Das Thema Sicherheit zum Beispiel sei ein „totales Tabu“. Dabei müsste die Bevölkerung auf dem Land dringend wissen, wo gerade welche Miliz wütet, ob die Bäuerinnen auf das Feld außerhalb des Dorfes laufen können, ohne ausgeplündert und vergewaltigt zu werden. Weiterlesen.

 


Neue Heimat

Von Korbinian Eisenberger

neue heimat

Eines Morgens kam Olaleye Akintola, ein geflüchteter Journalist aus Nigeria, in die Ebersberger Lokalredaktion der Süddeutschen Zeitung, stellte sich vor und sagte, er würde gerne für die SZ schreiben. Aus seinem Besuch entstand die wöchentliche SZ-Kolumne „Neue Heimat“. Sie soll geflüchteten Autoren und den Lesern der SZ eine neue Perspektive bieten. Weiterlesen. Foto: Peter Hinz-Rosin, SZ (Olaleye Akintola (r.) im Gespräch mit Walter Brilmayer).

 

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Latest News

 

LITERATUR

Peter Münch
Tel Aviv / Jerusalem
Suhrkamp / Insel 2018

Carl Wilhelm Macke
„Der König der Sonntagnachmittage“
Verlag: Terwelp, Cloppenburg 2017

Marc Engelhardt ( Hrsg.)
Die Flüchtlingsrevolution“ –
Wie die neue Völkerwanderung die ganze Welt verändert
(mit Beiträgen u.a. von Bettina Rühl, JhJ )
Weltreporter.Net
Pantheon Verlag, München 2016

Christiane Schlötzer
„Lesereise Türkei“
Picus Verlag,
Wien 2016

Henning Klüver ( Hg. )
„Mailand“
Eine literarische Einladung
Berlin 2016

Dzevad Karahasan
„Der Trost des Nachthimmels“
Roman
Frankfurt am Main, 2016

Christiane Grefe
„Global Gardening“
Bioökonomie – Neuer Raubbau oder Wirtschaftsform der Zukunft?
München 2016

Zora del Buono
„Das Leben der Mächtigen“
Reise zu den alten Bäumen
Berlin, 2015

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