Aktuell


Gewürgt, vergewaltigt, ermordet

 

Victoria Mairnowa auf einem Screenshot aus dem Bulgarischen TV

Von Florian Hassel (Süddeutsche Zeitung)

Es war kurz vor Mittag am vergangenen Samstag, als Viktoria Marinowa, Fernsehmoderatorin in der 150 000-Einwohner-Stadt Ruse im Norden Bulgariens, zum Joggen an der Donau aufbrach. Zuvor hatte die 30 Jahre alte geschiedene Mutter einer siebenjährigen Tochter in einem Café in der Nähe der Donau-Promenade Bekannte getroffen. Knapp drei Stunden später entdeckte ein Spaziergänger in einem Gebüsch ihre Leiche.

Nach Angaben von Ruses Staatsanwalt Georgi Gergijew und Vize-Polizeichef Ilian Entschew wurde Marinowa so massiv geschlagen und gewürgt, dass sie erst Stunden nach der Entdeckung identifiziert werden konnte. Innenminister Mladen Marinow ergänzte, Marinowa sei vergewaltigt worden. „Es handelt sich um Vergewaltigung und Mord“, so der Minister. Noch bevor bulgarische Ermittler, geführt vom Generalstaatsanwalt, am Montag die Ermittlungen übernahmen, verkündete der Innenminister, es gebe keine Hinweise darauf, dass der Mord im Zusammenhang mit Marinowas Arbeit als Journalistin stehe.

Das allerdings sehen Kollegen Marinowas anders. Bulgarien ist nicht nur ein unbequemes, sondern oft auch gefährliches Pflaster für Journalisten. Vier Fünftel des Zeitungsmarktes werden durch den hoch umstrittenen Parlamentarier und Oligarchen Deljan Pejewski kontrolliert. Druck und Drohungen gegen Journalisten, Androhung sexueller Gewalt, das Anzünden ihrer Autos oder das Zusammenschlagen unbequemer Journalisten sind in Bulgarien nicht selten.

Wer hohen Politikern öffentlich unbequeme Fragen stellt, wie dies etwa im November 2017 der Fernsehjournalist Viktor Nikolajew gegenüber Vize-Ministerpräsident Walerij Simeonow wagte, wird vor laufender Kamera mit Jobverlust bedroht. Bulgarien ist beim Thema Pressefreiheit in den vergangenen Jahren wegen steigender Attacken auf Reporter, Drohungen und Medienkontrolle durch Oligarchen stetig zurückgefallen: Die Reporter ohne Grenzen sehen Bulgarien auf Platz 111 von 180 Ländern – das schlechteste Ergebnis eines EU-Mitglieds.

Viktoria Marinowa bewies trotzdem Mut. Schon im Herbst 2017 bot ihr Fernsehsender TVN den Kollegen vom Internetdienst Bivol an, deren Rechercheergebnisse auch in Fernsehshows zu präsentieren. Bivol, das seine Arbeit ausschließlich online veröffentlicht, gehört in Bulgarien zu den wenigen Medien, die sich mit organisierter Kriminalität, Korruption und Verbindungen in bulgarische Ministerien und den Regierungsapparat beschäftigen. „Oft sind wir die einzigen“, sagt Bivol-Direktor Assen Jordanow. „Doch egal, wie brisant unsere Rechercheergebnisse sind – bulgarische Kollegen ignorieren sie in aller Regel. Viele haben Angst vor der Reaktion unserer Mächtigen. Das Angebot von TVN war das erste und einzige seiner Art überhaupt.“

Die Bivol-Journalisten arbeiten wegen häufiger Drohungen an verschiedenen Orten und haben nicht einmal ein gemeinsames Büro. „Wir konnten den Vorschlag von TVN aus organisatorischen Gründen schlicht nicht annehmen“, sagt Jordanow. Doch im September begann Bivol mit der Veröffentlichung einer Serie über mutmaßlichen millionenschweren Betrug bei EU-Subventionen in Bulgarien.

Aufbauend auf geheimen Kassenbüchern und Datenbanken beteiligter Beraterfirmen, zeichneten die Bivol-Journalisten ein Bild, bei dem ein Netz von Beratungs-, Tarn- und Baufirmen systematischen Betrug mit EU-Geldern verübe, die Bestechung bulgarischer Beamten bis hinauf zu Vize-Ministern eingeschlossen. Die Recherchen legen auch Verbindungen zu hohen Politikern der Regierungspartei Gerb und zu politisch bestens vernetzten russischen Firmen oder Oligarchen nahe.

Die durch etliche Dokumente gestützten Rechercheergebnisse, die Bivol vom 10. September an veröffentlichte, wurden in Bulgarien Jordanow zufolge wiederum weithin ignoriert – nicht aber von Viktoria Marinowa und TVN. Dort hatte Marinowa die neue politisch-investigative Sendung „Detektor“ gestartet. Am 30. September präsentierte Marinowa etliche Bivol-Dokumente und ein Interview mit Reporter Dimitar Stojanow. Der berichtete etwa, wie bulgarische Polizisten ihn zusammen mit einem Kollegen festnahmen, anstatt in Verbindung mit der EU-Betrugsrecherche die Verbrennung belastender Dokumente zu verhindern. Marinowa stellte den Bericht auch auf ihre Facebook-Seite: Allein dort wurde er von fast 170 000 Bulgaren abgerufen. Die Journalistin kündigte zudem eigene Recherchen an.

„Viktoria Marinowa und TVN hatten als einzige in Bulgarien den Mut, ein breites bulgarisches Fernsehpublikum über unsere Erkenntnisse zu informieren“, sagt Jordanow: „Wir sehen ihre Ermordung als klare Warnung an uns und alle anderen, die Recherchen zum Betrug mit den EU-Geldern in Bulgarien zu stoppen.“ In ihren bisherigen Recherchen wollen Jordanow und seine Kollegen Belege dafür gefunden haben, dass in Bulgarien „alle Institutionen, die für die Verteilung von EU-Fonds verantwortlich sind, von den Siegerfirmen Kommissionsgebühren“ – sprich: Bestechungsgelder – bekommen haben.

Nach dem Start der Bivol-Serie erklärte Bulgariens Generalstaatsanwaltschaft am 17. September den Beginn von Ermittlungen durch die Nationale Sicherheitsagentur (DANS). Bivol-Direktor Jordanow bleibt skeptisch. „Schon als wir vor drei Jahren Fälle von Betrug mit EU-Geld aufgedeckten, wurden Ermittlungen an DANS übergeben“, sagt er. „Bis heute gibt es keine einzige Anklage. Wir trauen derlei Mitteilungen bulgarischer Behörden grundsätzlich nicht mehr.“ Mitte September rief Bivol die EU-Kommission und die Anti-Betrugsbehörde Olaf auf, selbst eigenständige Ermittlungen zum Betrug mit EU-Geld durchzuführen – und bis zu deren Ergebnis alle EU-Zahlungen an Sofia einzustellen. „Wieder ist ein mutiger Journalist im Kampf für Wahrheit und gegen Korruption gestorben“, kommentierte EU-Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans via Twitter.

Florian Hassel ist seit 2015 Zentral- und Osteuropa-Korrespondent mit Sitz in Warschau. Zuvor berichtete er 2013 und 2014 für die SZ über den Balkan und den Konflikt im Osten der Ukraine. 2009 bis 2012 war er Wirtschaftsreporter der Welt in Berlin. 2011 erhielt er für eine Serie über die Griechenlandkrise den Ernst-Schneider-Preis für Wirtschaftsjournalismus. 1996 bis 2008 war Hassel Moskau-Korrespondent der Frankfurter Rundschau. Für investigative Reportagen aus Tschetschenien bekam er 2003 den Wächterpreis der Tagespresse. 1993 bis 1996 war Hassel außenpolitischer Redakteur des Wiener Magazins Profil. Hassel studierte Geschichte an der Universität Köln und lernte das journalistische Handwerk als freier Mitarbeiter bei Kölner Stadt-Anzeiger, Zeit und Stern.


„Ich fürchte um mein Leben“

Der kongolesische Journalist Gaël Mpoyo ist auf der Flucht. Er hat in einem Video festgehalten, wie im Ostkongo Menschen auf Geheiß der Regierung aus ihren Häusern vertrieben wurden. Text und Foto: Judith Raupp

„Ich werde bedroht, ich fürchte um mein Leben“, sagt der 28 Jahre alte Reporter. Er hat seine Frau und seine drei Kinder aus seiner Heimatstadt Bukavu an einen einigermaßen sicheren Ort gebracht. Der Journalist selbst musste die Demokratische Republik Kongo vorläufig verlassen. JHJ unterstützt die Familie.

Mpoyo arbeitet als Korrespondent für Africanews. Den Vidoebeitrag hat er im Auftrag der Menschenrechtsorganisation „Nouvelle Dynamique de la Société Civile en République démocratique du Congo“ (Neue Bewegung der Zivilgesellschaft in der Demokratischen Republik Kongo) gedreht. Die Aktivisten werfen der Regierung vor, in Mbobero, zehn Kilometer außerhalb der Provinzhauptstadt Bukavu, widerrechtlich Land beschlagnahmt zu haben. 2408 Menschen, darunter 1323 Kinder, seien vertrieben worden. Zwei Menschen seien getötet worden. 304 Häuser, darunter ein Krankenhaus, seien zerstört worden.

Die Regierung stellt sich auf den Standpunkt, dass das Land Staatspräsident Josef Kabila gehöre, und die Anwohner dort nicht mehr leben dürften. Der Konflikt schwelt seit Jahren. Immer wieder werden Aktivisten, Künstler und Journalisten, die das Thema bearbeiten, willkürlich verhaftet und bedroht.

Der Kongo befindet sich auf der Skala der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen auf Platz 154 von 180. Der Druck auf Journalisten und Aktivisten steigt, seit die Präsidentenwahl 2016 ausgefallen ist. Wer darüber berichtet, dass die Bevölkerung unzufrieden ist, und die meisten Menschen unter erbärmlichen Umständen den Alltag meistern müssen, bekommt es Militär, Polizei oder dem Geheimdienst zu tun. Vor einigen Wochen ist in Goma der junge Menschenrechtsaktivist Luc Nkulula unter ungeklärten Umständen beim Brand seines Hauses ums Leben gekommen.


Dem Nationalismus widerstehen

Die bosnische Journalistin Stefica Galić erhält den Johann-Philipp-Palm-Preis 2018

Von Carl Wilhelm Macke

Zynisch formuliert war der Auftritt des kroatischen Generals Slobodan Praljak vor dem Haager-Kriegsverbrecher-Tribunal schon ein toller Medien-Scoop. Die Richter bestätigten mit ihrem Urteil am 29.November 2017 ein früheres Urteil gegen Praljak, in dem er als Verantwortlicher für die brutalen Vertreibung von Muslimen aus Teilen von Bosnien und Herzogowina bezeichnet wurde. Kaum war das Urteil gesprochen, stand der General militärisch stramm auf und sagte mit stolzer Stimme: „Slobodan Praljak ist kein Kriegsverbrecher, mit Verachtung weise ich Ihr Urteil zurück.“ Dann griff er in seine Hosentasche, nahm eine Zynkali-Kapsel und sackte wenig später vor laufenden Kameras zusammen. Für einen Tag stand der verurteilte Kriegsverbrecher in den Schlagzeilen der Weltpresse und wurde dann wieder vergessen. In Kreisen kroatischer Nationalisten ernannte man ihn jedoch umgehend nach diesem spektakulären Suizid zum ‚Helden’ und Verteidiger der ‚kroatischen Ehre’.

Es gibt aber auch in Bosnien-Herzogowina Kroaten, denen der Schutz humaner Werte für alle Menschen wichtiger ist als die Verteidigung fragwürdiger ‚nationaler Ehre’. Dazu gehört bereits seit vielen Jahren die in Mostar lebende Journalistin Štefica Galić.  Zusammen mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Nedo  hat Stefica Galić Muslime gegen die Verfolgung durch kroatische Nationalisten in Schutz genommen.

Als bosnische Kroatin setzt sie sich seitdem mutig  für Aufklärung der Verbrechen der bosnisch kroatischen Armee ein. Sie weist öffentlich auf die ehemaligen Tatorte hin und die Verbrechen, die damals begangen wurden. Zum Beispiel das „Heliodrom“ in Mostar, wo Nichtkroaten oder kritische Kroaten eingesperrt gefoltert oder zur Zwangsarbeit an der Front gezwungen wurden. Für diese Aufklärungsarbeit, die sie auch mit Hilfe eines eigenen Internet-Blogs betreibt, wird Stefica Galić immer wieder äußerst aggressiv bedroht, auf  der Strasse körperlich angegriffen und als „Hure“ und „Verräterin“ beschimpft. In ihrem Kampf gegen die extremen kroatischen Nationalisten erfährt sie aber so gut wie keine Unterstützung durch die örtliche Polizei. Trotz dieser entmutigenden Erfahrungen und des Wiederauflebens eines starken  kroatischen Nationalismus, gibt Stefica Galić ihre Aufklärungsarbeit nicht auf. „Man darf den Nationalisten“, sagte sie einem deutschen Journalisten einmal zur Motivation ihrer Arbeit,  „ nicht die Deutungshoheit über die Vergangenheit überlassen“. Eine Haltung und Aussage die derzeit nicht nur für Bosnien von großer Aktualität ist.

Zusammen mit Stefica Galić wird auch Josephine Achiro Fortelo aus dem Südsudan für ihre Arbeit als Radiojournalistin in einem der ärmsten Länder Afrikas mit dem Johann-Philipp-Palm-Preis geehrt.  In ihren Sendungen kommen Menschen unterschiedlicher Ethnien und verschiedener politischer Überzeugungen zu Wort. Sie diskutiert Tabuthemen wie Flucht und Vertreibung. Lautstark fordert sie immer wieder die Menschenrechte in ihrem Land. Wie Stefica Galić läßt sich auch Josephine Achiro Fortelo durch ständige Drohungen einschließlich gewaltsamer Übergriffe nicht in ihrer Aufklärungsarbeit gegen Nationalismus und Vertreibung einschüchtern. Hier die Pressemeldung der Palm-Stiftung. Foto: Aleksandra Zaytseva.


Hetze gegen Journalisten in Europa

„Reporter ohne Grenzen“ veröffentlicht die „Rangliste der Pressefreiheit 2018“

In keiner anderen Weltregion hat sich die Lage der Pressefreiheit im vergangenen Jahr so stark verschlechtert wie in Europa. Journalistinnen und Journalisten sind dort zunehmend medienfeindlicher Hetze durch Regierungen oder führende Politiker ausgesetzt. Das schafft ein feindseliges, vergiftetes Klima, das oft den Boden für Gewalt gegen Medienschaffende oder für staatliche Repression bereitet. Dies zeigt die Rangliste der Pressefreiheit 2018, die Reporter ohne Grenzen am Mittwoch veröffentlicht hat. Weiterlesen


Fake News aus Armut

Weshalb im Ostkongo die Pressefreiheit auf dem Spiel steht

Von Judith Raupp (JhJ), Foto: Privat

David Tsongo (Name geändert) arbeitet als Journalist für ein Kirchenradio in einem Dorf im Ostkongo. Er ist jung, unerfahren und schlecht ausgebildet. Das hat er vor kurzem mit fünf Tagen Gefängnis gebüßt. Der Geheimdienst hatte ihn abgeholt, weil er auf seinem privaten Facebook-Konto schrieb, dass ein Menschenrechtsaktivist verhaftet worden sei. Das Problem an der Geschichte: Die Information stimmte nicht. Der Aktivist war nicht verhaftet, sondern untergetaucht. Tsongo hatte einer einzigen Quelle vertraut, ohne zu prüfen, ob es stimmt, was ihm der Informant erzählte. Weiterlesen.


Der Reiz des Widerstands

Zum Tod von Uli Encke, Auslandskorrespondent und Mitbegründer von JhJ

Von Matthias Fink, Fotos: Martin Binder, privat

Ein Foto zeigt zwei Männer, die sich gegenübersitzen: Der eine ist ein junger Mann, blond, angespannt wirkend, in der Hand hält er ein Mikrofon. Ihm gegenüber hockt ein älterer Mann mit Bart und schwarzer Hornbrille, gekleidet in ein langes Gewand, auf dem Kopf ein weißer Turban.

„Uli, der nimmt Maß an Deinem Hals“, lästerten die Kollegen zu Hause, und vielleicht stimmte es ja: Ulrich Encke, ARD-Hörfunk-Korrespondent in Teheran, im Gespräch mit Ayatollah Sadegh Khalkali. Nicht irgend ein Ayatollah, sondern der Oberste Richter der islamischen Revolution, verantwortlich für Tausende von Todesurteilen, der „Henker der Revolution“, wie er genannt wurde. Weiterlesen

 

 


Aus dem „Atlas der Zivilgesellschaft“ von „Brot für die Welt“


Ein Großer ist gegangen

Zum Tod von Predrag Lucić

Von Nenad Popović, Foto: Privat.

Predrag Lucic

Am 10. Januar ist Predrag Lucić (1964) gestorben, Mitgründer, Autor und Redakteur des Wochenblattes Feral Tribune in Split, der wichtigsten oppositionellen Zeitung in Kroatien der Neunzigerjahre bzw. der Tuđman-Aera. Feral Tribune wurde oft mit Charly Hebdo verglichen, sie erreichte auch in Bosnien, Serbien, Kosovo und Slowenien ein großes Publikum.

Lucić war  ein außerordentlich mutiger Journalist: Als Reporter, aber auch als satirischer Kolumnist, „eine Säule des freien Denkens in Kroatien“, heißt es nun in einem der zahlreichen Nachrufe. Nach der Einstellung des Feral Tribune arbeitete er bei der linksliberalen Tageszeitung Novi list in der Hafenstadt Rijeka. Er war auch Theaterautor, Kabarettist und hat nachdenkliche Lyrikbücher geschrieben. Die von ihm herausgegebene Buchreihe bei Feral Tribune war eine der wichtigsten im post-jugoslawischen Raum.

Mir persönlich war es eine große Ehre, ihn bei der Feral Tribune ‚meinen Redakteur‘ nennen zu dürfen. Meine schönsten Erinnerungen an die Frankfurter Buchmesse gelten den Jahren, als wir uns den Stand teilten, zusammen mit Monika Sznajderman aus Polen, Gabor Csordas aus Ungarn, Christian Marti-Menzel aus Barcelona und Wolfgang Klotz und seiner CEEOL aus Frankfurt. Was für Zeiten!

„Feral“ heißt Leuchtturm. Predrag war ein Orientierungszeichen in den dunkelsten Zeiten Kroatiens und Jugoslawiens.

 


Sein Herz war in Somalia geblieben

Ein Nachruf auf den Karikaturisten Abdirahman Alif

Von Abdirahman Osman (Übersetzung: Tim Neshitov, Foto: Privat)

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Man sagt in Somalia: Willst du richtig berühmt werden, geh in die Ferne. Oder stirb gleich. Das klingt zynisch, ist aber leider oft der Fall mit begabten Menschen in Somalia. Das trifft auf jeden Fall auf den Karikaturisten Abdirahman Abdullahi Alif, der am 6. Dezember im Alter von 46 Jahren starb. Er starb im Exil, in Kenia. Er war lange krank gewesen (Diabetes), ihm war bereits ein Bein amputiert worden.

Alif hatte Somalia 2013 verlassen, und je länger er wegblieb, desto mehr vermisste man ihn dort. Seinen Humor, seinen Mut. Sein Ruhm wurde in der Ferne immer größer. Erst von Kenia aus wurde er in seiner Heimat Somalia zu einem richtigen Star.

Er war einer, der immer neugierig blieb. Einer, der sich nie lustig machte. Er wies auf Missstände hin, mit Humor. Während des Bürgerkrieges in den Neunziger- und den Nullerjahre blieb er in Somalia. Seine Freunde flohen, seine Kollegen flohen. Er blieb. Wurde noch Vater von acht Kindern.

Ich lernte ihn 2006 in der Redaktion der Zeitung Somalische Nationalpost kennen, für die wir damals beide arbeiteten. Ich, ein Jungspund, er ein alter Hase. Weiterlesen

 


Offener Brief an Mesut Koç, Generalkonsul der Republik Türkei in München

Sehr geehrter Herr Generalkonsul,

der 3. Mai wurde 1993 von der UNESCO zum Welttag der Pressefreiheit ausgerufen. Seither wird an diesem Tag weltweit auf die Bedeutung der freien Presse für die demokratische Entwicklung hingewiesen.

In diesem Jahr wenden sich der Bayerische Journalistenverband, der Internationale PresseClub München und der Verein Journalisten helfen Journalisten in einem Offenen Brief an Sie. Gemeinsam appellieren wir an Sie, mit Ihren Mitteln darauf hinzuwirken, dass der türkische Staat die Presse- und Meinungsfreiheit so achtet, wie dies in demokratischen Ländern notwendig und üblich ist.

Sie waren im August vergangenen Jahres zu Gast im Münchner PresseClub und haben schon damals die Befürchtungen der Kolleginnen und Kollegen vernommen, nach dem gescheiterten Putschversuch könnten Meinungsfreiheit und Pressefreiheit in der Türkei einschränkt und Journalisten bei ihrer Arbeit behindert, ja sogar verfolgt werden. Sie haben damals versichert, für solche Sorge bestehe kein Anlass, die Freiheit der Presse sei gewährleistet, und jeder Inhaftierte erhalte ein rechtsstaatliches Verfahren nach europäischen Maßstäben.

Den offenen Brief von Journalisten helfen Journalisten e.V., Bayerischer Journalisten-Verband e.V. und Presseclub München e.V.  weiterlesen

 


„Noch sind wir wenige“

Ein Journalist in Ost-Kongo erzählt, warum er seinen Beruf trotz allem nicht aufgibt

Von JhJ

reagan

Reagan Mwanaweka redet nicht lange darum herum. „Pressefreiheit existiert bei uns nicht“, sagt der junge Journalist in Goma, im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Das Thema Sicherheit zum Beispiel sei ein „totales Tabu“. Dabei müsste die Bevölkerung auf dem Land dringend wissen, wo gerade welche Miliz wütet, ob die Bäuerinnen auf das Feld außerhalb des Dorfes laufen können, ohne ausgeplündert und vergewaltigt zu werden. Weiterlesen.

 


Neue Heimat

Von Korbinian Eisenberger

neue heimat

Eines Morgens kam Olaleye Akintola, ein geflüchteter Journalist aus Nigeria, in die Ebersberger Lokalredaktion der Süddeutschen Zeitung, stellte sich vor und sagte, er würde gerne für die SZ schreiben. Aus seinem Besuch entstand die wöchentliche SZ-Kolumne „Neue Heimat“. Sie soll geflüchteten Autoren und den Lesern der SZ eine neue Perspektive bieten. Weiterlesen. Foto: Peter Hinz-Rosin, SZ (Olaleye Akintola (r.) im Gespräch mit Walter Brilmayer).

 

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Latest News

 

LITERATUR

Peter Münch
Tel Aviv / Jerusalem
Suhrkamp / Insel 2018

Carl Wilhelm Macke
„Der König der Sonntagnachmittage“
Verlag: Terwelp, Cloppenburg 2017

Marc Engelhardt ( Hrsg.)
Die Flüchtlingsrevolution“ –
Wie die neue Völkerwanderung die ganze Welt verändert
(mit Beiträgen u.a. von Bettina Rühl, JhJ )
Weltreporter.Net
Pantheon Verlag, München 2016

Christiane Schlötzer
„Lesereise Türkei“
Picus Verlag,
Wien 2016

Henning Klüver ( Hg. )
„Mailand“
Eine literarische Einladung
Berlin 2016

Dzevad Karahasan
„Der Trost des Nachthimmels“
Roman
Frankfurt am Main, 2016

Christiane Grefe
„Global Gardening“
Bioökonomie – Neuer Raubbau oder Wirtschaftsform der Zukunft?
München 2016

Zora del Buono
„Das Leben der Mächtigen“
Reise zu den alten Bäumen
Berlin, 2015

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