Schweige!

Unlängst hat JHJ ein Hilferuf aus dem Osten der Demokratischen Republik Kongo erreicht. Wieder einmal wurde ein Radio überfallen und ausgeraubt. Die Kollegen und Kolleginnen im Kongo haben nicht das Geld, um Laptop, Aufnahmegerät oder Telefon neu zu kaufen. Ausgeraubt werden bedeutet, den Beruf nicht mehr ausüben zu können. Man wird zum Schweigen gebracht. JHJ hat die betroffenen Journalisten mit einer Spende unterstützt.
Die Sicherheitslage bleibt indessen prekär. Darüber schreibt der Journalist Pascal Muhindo Mapenzi von Radio Moto Oicha Folgendes:

Pascal Muhindo Mapenzi von Radio Moto Oicha

In der Region um die Kleinstadt Beni im Ostkongo treiben seit langem in- und ausländische Milizen ihr Unwesen. Darunter ist auch die besonders berüchtigte Miliz ADF-Nalu, die ursprünglich aus dem Nachbarland Uganda stammt. Die Bevölkerung, darunter auch die Journalisten, werden bedroht und eingeschüchtert, ausgeraubt und gefoltert. Außerdem zählt Meinungsfreiheit nichts in diesem Umfeld.
Issa Musango ist Direktor des „Radio des Volkes“ in Oicha. Er berichtet, dass vor kurzem Bewaffnete in Armeeuniform in die Redaktion eingedrungen seien. Bei laufender Sendung haben sie Redakteure und Techniker bedroht, geplündert und Computer geklaut. Musango hatte schon öfter um Polizeischutz gebeten. Vergeblich.
Auch Jackson Sivulyamwenge, den Chefredakteur von Radio Moto Oicha hat es getroffen. Als er auf dem Weg in die Redaktion war, um die Abendnachrichten zu präsentieren, wurde er von bewaffneten Männern in Militäruniform ausgeraubt und mit dem Tod bedroht. Danach war er nicht mehr fähig, die Nachrichten zu lesen. „Ich war traumatisiert“, sagt er.
Solche Überfälle kommen in der Region Beni ständig vor. Mal werden Journalisten mit Waffengewalt ausgeraubt, mal Redaktionen nieder gebrannt. Sie müssen mit Morddrohungen leben und mit der Gefahr, entführt zu werden. Sowohl die Milizen als auch Armee, Polizei und der Geheimdienst schüchtern die Journalisten ein. Manche trauen sich nicht mehr zu recherchieren. Manche verschweigen Informationen, weil sie fürchten, verhört oder gar angegriffen zu werden. Sobald die Radios über Gefechte zwischen Armee und Milizen berichten, werfen ihnen die Sicherheitskräfte vor, mit den bewaffneten Gangs unter einer Decke zu stecken.
Kavetya Mbusa, Programmchef bei Radio Moto Oicha, sagt, in einer solchen brenzligen Lage helfe nur, professionell zu arbeiten. Unter allen Umständen müssten Neutralität, Unabhängigkeit und Objektivität gewahrt werden. Journalisten sollten nur verlässliche, wahre Informationen verbreiten.
2014 hat die kongolesische Armee offiziell eine Offensive gegen die Milizen, insbesondere gegen die ADF gestartet. Auch Blauhelmsoldaten der Vereinten Nationen sind in der Gegend stationiert. Trotzdem hält die Gewalt an, und die Journalisten werden weiter bedroht.