Der Schuss

1991 ermordet ein serbischer Scharfschütze den SZ-Reporter Egon Scotland

Von Hans Holzhaider

„Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau. Nur wenige Stunden nach dem Waffenstillstandsappell des jugoslawischen Staatspräsidiums ist es zwischen Serben und Kroaten wieder zu heftigen Gefechten gekommen. Bei Glina südlich von Zagreb kamen nach Augenzeugenberichten bis zu hundert kroatische Soldaten ums Leben. Hauptmann Dragan, der Anführer der serbischen Milizen in Kroatien, sagte, fast alle Dörfer südlich von Zagreb seien jetzt unter seiner Kontrolle. Zu den Opfern gehört auch der 43 Jahre alte Redakteur der in München erscheinenden Süddeutschen Zeitung, Egon Scotland (Foto: SZ), der tödliche Schussverletzungen erlitt, als er nach vermissten Kollegen suchte, die aber inzwischen in Sicherheit sind.“ weiterlesen

Schreib auf, so viel Du kannst, mein Freund

Von Giovanni di Lorenzo

Rede anläßlich der Verleihung der Gerd-Bucerius-Förderpreise „Freie Presse Osteuropa“, 2014, Hamburg, 12. Juni 2014 (Foto: Jim Rakete)

Giovanni di Lorenzo.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Preisträger,

Ich werde am Ende meines kleinen Grußworts darauf zu sprechen kommen, warum Jour­nalisten vorsichtig mit dem Gebrauch von Sta­tis­tiken sein sollten. Ich sage das vorweg, weil ich an dieser Stelle trotz­dem mit einer be­ginnen möchte: Nach den Maß­stäben des ameri­ka­nischen Insti­tuts „Freedom House“ leben nur etwa 14 Prozent der Menschen welt­weit in einem Land, dessen Presse sich wirk­lich als frei be­zeich­nen kann. Das entspricht gerade mal einem Siebtel der Menschheit! weiterlesen

Eine Pazifistin als Kriegsphotographin

Zum Tod von Anja Niedringhaus (1965 – 2014)

Von Carl-Wilhelm Macke

Anja Niedringhaus

Die Anfang April 2014 in Afghanistan ermordetete Photographin Anja Niedringhaus war seit vielen Jahren auch Mitglied von Journalisten helfen Journalisten. Da sie oft wie eine Getriebene von einem Kriegsschauplatz zum anderen flog um dort Aufnahmen zu machen, war es schwer, sie einmal in Ruhe an irgendwelchen “friedlichen” Orten zwischen Genf und einem deutschen Ort persönlich zu treffen. weiterlesen

Muxubooy, was hast du heute gesehen?

Von Abdirahman Osman

Erschienen in der Süddeutschen Zeitung am 1. Februar 2012. Übersetzung: Tim Neshitov

Der somalische Dichter und Dramatiker Abdi Mohammed Amin hinterließ nach seinem Tod 2008 eine geistig behinderte Tochter. Sie heißt Muxubooy. Als ich Amin kurz vor seinem Tod in Mogadischu traf, erzählte er mir, wie Muxu­booy jeden Tag auf die Straße ging, um sich unter die Menschen zu mischen. Auf den Straßen Moga­dischus fliegen Kugeln und Panzer­fäuste, damals, im Jahr 2007, war es noch gefährlicher als heute. „Aber meine Tochter langweilt sich zu Hause“, sagte der Dichter. „Sie muss unbedingt raus. Und jedes Mal, wenn sie zurück­kommt, frage ich sie: Muxu­booy, was hast Du heute gesehen?“ weiterlesen

Mut zur Skepsis

Von Dzevad Karahasan
(Rede im Bayerischen Landtag, München, 29.Mai 2008)

Unwirklichkeit ist die ausgeprägteste wenn nicht die einzige Eigenschaft der Hölle, behauptete Emanuel Swedenborg.  Wer in der Hölle aufwacht, erkennt sein irdisches Zimmer wieder samt allen vertrauten Gegenständen seiner ehemals nächsten Umgebung: Sein Tisch ist da, seine Brille und sein Füllfederhalter darauf. Daneben steht sein Sofa und auf kleinem Tisch vor dem Sofa, liegt das von ihm gelesene Buch. weiterlesen

Zum Tod von Herbert Riehl-Heyse

Herbert Riehl-Heyse Foto: Regina Schmeken

Von Karl-Otto Saur

„Bestellte Wahrheiten“ hieß eines der zahlreichen Bücher, die der Jour­nalist Herbert Riehl-Heyse (Foto: Regina Schmeken) geschrieben hat.  Es handelte von seinen Erfahrungen, die er im Laufe eines langen Reporter­lebens gemacht hat. Mit sich und mit anderen Journa­listen. Beide mahnte er zur Vorsicht. Er hatte guten Grund dafür. Er kannte den Journa­lismus aus vielen Perspek­tiven. Und er liebte ihn. Gerade deswegen machte er sich auch so viele Sorgen um ihn. weiterlesen