Muxubooy, was hast du heute gesehen?

Von Abdirahman Osman

Erschienen in der Süddeutschen Zeitung am 1. Februar 2012. Übersetzung: Tim Neshitov

Der somalische Dichter und Dramatiker Abdi Mohammed Amin hinterließ nach seinem Tod 2008 eine geistig behinderte Tochter. Sie heißt Muxubooy. Als ich Amin kurz vor seinem Tod in Mogadischu traf, erzählte er mir, wie Muxu­booy jeden Tag auf die Straße ging, um sich unter die Menschen zu mischen. Auf den Straßen Moga­dischus fliegen Kugeln und Panzer­fäuste, damals, im Jahr 2007, war es noch gefährlicher als heute. „Aber meine Tochter langweilt sich zu Hause“, sagte der Dichter. „Sie muss unbedingt raus. Und jedes Mal, wenn sie zurück­kommt, frage ich sie: Muxu­booy, was hast Du heute gesehen?“ weiterlesen

Mut zur Skepsis

Von Dzevad Karahasan
(Rede im Bayerischen Landtag, München, 29.Mai 2008)

Unwirklichkeit ist die ausgeprägteste wenn nicht die einzige Eigenschaft der Hölle, behauptete Emanuel Swedenborg.  Wer in der Hölle aufwacht, erkennt sein irdisches Zimmer wieder samt allen vertrauten Gegenständen seiner ehemals nächsten Umgebung: Sein Tisch ist da, seine Brille und sein Füllfederhalter darauf. Daneben steht sein Sofa und auf kleinem Tisch vor dem Sofa, liegt das von ihm gelesene Buch. weiterlesen

Zum Tod von Herbert Riehl-Heyse

Herbert Riehl-Heyse Foto: Regina Schmeken

Von Karl-Otto Saur

„Bestellte Wahrheiten“ hieß eines der zahlreichen Bücher, die der Jour­nalist Herbert Riehl-Heyse (Foto: Regina Schmeken) geschrieben hat.  Es handelte von seinen Erfahrungen, die er im Laufe eines langen Reporter­lebens gemacht hat. Mit sich und mit anderen Journa­listen. Beide mahnte er zur Vorsicht. Er hatte guten Grund dafür. Er kannte den Journa­lismus aus vielen Perspek­tiven. Und er liebte ihn. Gerade deswegen machte er sich auch so viele Sorgen um ihn. weiterlesen