Die Rede der bosnischen Journalistin Stefica Galić anlässlich der Verleihung des Johann-Philipp-Palm-Preis 2018

Rede anlässlich der JPP-Preisverleihung – Štefica Galić

Ich fühle mich außerordentlich geehrt und danke allen, die es mir ermöglicht haben, heute hier zu sein und diesen wichtigen Preis entgegen zu nehmen. Der Mann, nach dem der Preis benannt ist, wird mir, das verspreche ich, Inspiration und Ansporn sein für meine weitere Arbeit im Kampf für eine bessere und gerechtere Welt.

Ich erhalte diese Auszeichnung zu einer Zeit, in der ich den Glauben an das Gute und an die Gerechtigkeit fast schon verloren hatte. Sie kommt nicht aus meinem Land, sondern von Ihnen aus Deutschland. Ich kann einfach nicht umhin, an den berühmten Satz zu denken, dass ein Prophet im eigenen Land nichts wert ist. Sei es wie es sei, ich bin glücklich, dass jemand mein Engagement und meinen jahrelangen Kampf erkannt hat. Ich arbeite und kämpfe und hätte weder gedacht, dass ich dafür ausgezeichnet werden könnte noch habe ich es je erwartet. Meine ganze Aktivität ist das Ergebnis dessen, was ich für meine moralische und menschliche Pflicht halte. Nicht weniger und nicht mehr als das.

Ich kämpfe, um es ganz deutlich zu sagen, gegen ein System, in dem Nationalismus und Klerusfaschismus das Maß aller Dinge sind; ein System, das seine Verbrecher als Helden feiert, und dies als einen patriotischen Akt betrachtet; ein System, das mit dem Leben der Menschen und ihrem Eigentum Handel treibt, dessen Bildungssystem künftige Soldaten ausbildet, die alles hassen werden, was nicht ihres ist; wo bei den Wahlen die nationalistischen Parteien fortdauernd ob siegen … Dieses System, das ist mein Feind!

Bosnien-Herzegowina ist ein wunderschönes Land, zerstört von einem furchtbaren Staatsregime. Ich mag keine zweideutige Sprache, obwohl das hier für manche vielleicht barsch klingen könnte: Bei uns herrschen seit mehr als einem Vierteljahrhundert miteinander vernetzte Nichtsnutze – drei Ethno-Kartelle. Sie haben uns zerstritten, in den Krieg geführt, umgebracht, in die ganze Welt zerstreut; sie haben das gesamte gesellschaftliche Eigentum geraubt und tun das immer noch. Hinter ihnen bleibt nur Wüste – moralische und materielle, aber nichts Gutes.

Die Rede- und Meinungsfreiheit werden erstickt, die politische Kontrolle über die Justiz wird etabliert, der Bereich der Demokratie auf „demokratischem“ Wege eingeengt, die Atmosphäre der Angst, Armut und Apathie wird hingegen breiter. Und Angst und Ignoranz sind die Quintessenz allen Leids und die besten politischen Waffen. Die Menschen glauben nicht mehr das, was sie sehen, sondern das, was ihre Anführer ihnen sagen und die den öffentlichen Raum in den Medien, die ihnen zu Diensten sind, mit Lügen vergiften. Das Resultat ist die massenweise Abwanderung junger Menschen mitsamt ihrer Familien, weil sie eine Zukunft und ein normales Leben haben wollen, und nicht die sture Rückkehr in die Vergangenheit.

Ich möchte nicht jammern, ich beklage mich nicht, aber es ist eine Tatsache, dass ich fast täglich unter Beschuss eines solchen Systems bin – der Polizei, Justiz, des rechten Straßenmobs … Wegen meines Engagements habe ich fast alles verloren, vom guten Ruf bis zur Existenz, viele haben sich von mir abgewandt, die ich als Freunde, als Familie betrachtet hatte…

Andererseits – und das ist alledem zum Trotz eine große Ermutigung – gab es sehr viele Leute, die zu mir standen, die mich unterstützten, die halfen … Warum? Weil ich die Wahrheit sagte, das, was ich mit eigenen Augen gesehen hatte. Bei allen Entsagungen während des Krieges und danach bin ich nicht von dem‚ Prinzip der Menschlichkeit abgerückt, ich war nicht einverstanden mit den Spaltungen, nationalistischen Erpressungen und Einschüchterungen, mit der offiziellen Wahrheit und den ,alternativen Tatsachen der neuen Fälscher und alter Rächer.

Ich war weder damals damit einverstanden noch bin ich es heute, obwohl man uns, die wir der Meinung sind, dass es keine Entschuldigungen oder Umstände gibt, die die Kriegsverbrechen, Lager und Vertreibungen rechtfertigen könnten, nur deshalb verfolgt, weil man eine andere Meinung, Religion oder Nationalität hat, zu Volksverrätern erklärt. Trotz der Haager Urteile, trotz der Prozesse vor den Gerichten in Bosnien und Herzegowina, wird von allen Seiten weiterhin eisern abgelehnt, dieWahrheit zu gestehen.

Gerade deshalb beharre ich darauf, wie wichtig und unvermeidlich es ist, sich der Wahrheit über die Vergangenheit zu stellen. Ich gehe davon aus, dass ein „Verbrechen zu vergessen – Verbrechen“ ist.

Ich gebe unsere gemeinsame Zukunft in Bosnien und Herzegowina nicht auf, allerdings unter der Bedingung, dass die Schrecken der Vergangenheit aufgeklärt und die Opfer um Vergebung gebeten werden. Ohne die wird es keine Katharsis geben, ohne die besteht die realistische Gefahr, dass sich das, was uns widerfahren ist – wiederholt. Und wiederum möchte ich sehr direkt sein: Es wird alles daran getan, um das Land zu spalten, Teile davon an  Kroatien und Serbien anzuschließen, an die beiden Ländern, die in den Neunzigerjahren die Aggressoren gegen Bosnien und Herzegowina waren.

Diese Aggression, die zunächst militärisch, dann ökonomisch war und nun diplomatisch ist, hat auch nie aufgehört zu existieren, sie änderte nur ihre Formen.

Ich möchte noch einmal auf die Medien zurückkommen und sagen, dass viele Medien zu dieser Auflösung und dem allgemeinen Elend beigetragen haben: Manche Journalisten, die ihre Professionalität und Ethik verloren hatten, wurden unehrenhaft zu Dealern des Hasses und zum Instrument des Konflikts.

Ohne die Journalisten war kein Krieg möglich. So war es bei uns in den Neunzigerjahren, so ist es leider auch heute.

Das giftige Wörterbuch der Hassrede, der Radikalismus, das Akzeptieren von Gewalt als etwas Normales wie auch die Fake News, Diskriminierung,  enophobische Hysterie wegen der Migranten, das ist unser Alltag. Unsere Gesellschaft ist von den Tabus, Missverständnissen, der Flut des historischen Revisionismus, der Selbsttäuschung, Desintegration, Korruption und der allgemeinen Unsicherheit in Ketten gelegt.

Heute scheint es, als seien unsere Nationalismen eine Art „Avantgarde“ gewesen, ein Wegweiser für all das, was zurzeit in Europa, in den USA und darüber hinaus passiert. Der Radikalismus (der Faschismus unter dem Deckmantel der Demokratie) verbreitet sich wie ein Virus, seine Opfer werden wir alle sein. Die Digitalisierung und die sozialen Netzwerke haben die Medienszene verändert, die Redefreifreiheit wird mit Hassreden gemischt, aber den Institutionen fehlt es an geeigneten Mechanismen, diesen Trend im öffentlichen Raum zu stoppen. Die Liste der ermordeten Journalisten wird immer länger. Dem UNESCO-Bericht zufolge wird weltweit an jedem vierten Tag ein Journalist getötet. Zwischen den Jahren 2006 und 2017 wurden 1.009 Personen umgebracht, die sich mit dem Journalismus befassten. In Bosnien-Herzegowina gab es in diesem Jahr 41 Angriffe auf Journalisten sowie Verletzungen der journalistischen Rechte. Darüber muss man sich auch nicht wundern, denn der Zustand der Gesellschaft spiegelt sich in den Medien wider. Deshalb ist es lebenswichtig, die journalistische Arbeit menschlich, aufrichtig und verantwortungsbewusst zu tun.

Als ich 1993 mit meinen Kindern unsere Stadt und unser Land verließ und mit dem Bus nach Zagreb und weiter nach Prag fuhr, klammerte ich mich an ein  kleines Buch, damit die Kinder meine Tränen und meine Angst nicht sahen, während die Grenzpolizisten unsere Koffer durch wühlten. Es war ein Buch von Martin Luther King und darin fand ich auch diesen Gedanken: „Unsere Generation wird nicht so sehr die Untaten böser Menschen zu beklagen haben als vielmehr das erschreckende Schweigen der guten.“

Auf der Weiterfahrt nach Prag fragte ich mich: Haben wir geschwiegen? Hätten wir mehr tun können? Die Wahrheit ist, wir haben gegen den Faschismus der herzeg-bosnischen Kriegshunde rebelliert. Ich erinnere mich an Lastwagen, auf denen sie unsere bosniakischen Nachbarn in die Lager wegbrachten, ich erinnere mich an deren Schreie, als man sie folterte, ich sah Menschen, Moscheen und orthodoxe Kirchen verschwinden, Häuser brennen, ich sah wie sie die Leute in Kühlwagen fortschafften, wie unsere Nachbarn flohen und nicht zurückkehrten, wie vor dem verfallenen Haus einer getöteten alten Frau Koranbücher brannten, wie die örtlichen Gewalttäter drohten und töteten, die bis heute nicht bestraft wurden – ich sah eine Welt zusammenbrechen und entschwinden.

Wir haben getan, was wir in diesen Momenten tun konnten. Wir halfen mit Garantie-Briefen und Fotos, trotzdem verfolgte mich beharrlich die Frage: Hätten wir mehr tun können? Ich weiß es auch heute nicht. Dennoch, wir haben zumindest öffentlich rebelliert – „Ihr werdet es nicht in unserem Namen tun, wir sind gegen den Faschismus. Ihr könnt unschuldige Menschen nicht abführen … Alle anderen schwiegen. Und ja, sie halfen vielen, heimlich. Aber öffentlich niemand anderer.

Sie erklärten uns zu einer ,Mudschaheddin-Botschaft‘, sie stempelten uns zu ,Verrätern des kroatischen Volkes’ ab, zu Mitarbeitern des Geheimdienstes, jenes jugoslawischen … Nachdem alle aus dem Lager zurückgekehrt waren, gingen auch wir mit unseren Kindern nach Prag.

Mein Mann Neđo sagte damals: „Ich könnte vor Schande mein Haupt nicht erheben, wenn ich jetzt hier, bei diesen Faschisten bliebe, die eine reine Nation wollen.“ Als das Washingtoner Abkommen unterzeichnet wurde, kehrten wir nach Ljubuški zurück, aber wir waren ausgestoßen, isoliert; ich nahm jede Arbeit an, um unsere Existenz zu sichern, ich pflückte Erdbeeren, putzte Treppenhäuser. Die Kinder waren die Opfer unserer Einstellung, mein Mann erkrankte und starb im Jahre 2001, und ließ uns mit den Schulden allein. Auch heute fällt es mir schwer, über diese Momente zu reden. An etwas  Schlimmeres im Leben kann ich mich nicht erinnern.

Alles über diese Zeit des Bösen erzählte ich in dem Dokumentarfilm ,Neđo von Ljubuški’, den Dr. Svetlana Broz, die Enkelin von Josip Broz Tito und Direktorin der Gariwo-Organisation gedreht hatte, und zwar anlässlich der Auszeichnung für Zivilcourage , die meinem Mann posthum verliehen wurde. Seit der Ausstrahlung dieses Films haben meine Familie und ich die Hölle durchgemacht. Rechte Medienhetze, Drohungen, verbale und körperliche Angriffe auf mich, Obstruktion durch die Polizei und korrupte Justiz. Wir sperrten unser Haus ab und verließen Ljubuški.

So, also, wird man bei uns belohnt. Heute leben wir in Mostar, am linken Ufer der Neretva, in der Titova-Straße. Ich fühle mich sicher und willkommen, bis ich auf die rechte (kroatische) Seite der Stadt wechsle. Dort haben sie mich wiederholt angegriffen, sogar die Polizei mitten in der Polizeidienststelle, dann  im Einkaufszentrum und auf der Straße … von den Drohungen in den sozialen Netzwerken will ich gar nicht erst reden. Man überschüttete mich mit Shitstorm nach jedem meinem Auftritt im öffentlichen Raum. Solche Dinge zeige ich nicht mehr an, weil ich weiß, dass es in der Polizei „Wachhunde“ der  lokalen politischen Machthaber gibt, gegen die ich seit Jahren kämpfe.

Ich erhob eine Verleumdungsklage gegen einige ,ultrarechte Hassmedien’ wegen ihrer brutalen Lügen und Kommentare, und verlor  – natürlich – vor Gericht mit der Begründung: „… es ist keine Verleumdung, sondern ein ,Werturteil’“. Redefreiheit für rechte Hassprediger! Und somit ist es schon drei  Jahre her, dass man die Hälfte meiner Rente gepfändet hat, um deren Gerichtskosten zu zahlen.

Trotz alledem arbeite ich schon seit acht Jahren als Redakteurin für unser Portal Tačno.net (dt.: Richtig.net oder Exakt.net), welches vom Verein „Zentrum  für kritisches Denken“ herausgegeben wird. Unsere Mitarbeiter und Leser sagen, es sei eines „unter den seltenen Medien im postjugoslawischen Raum, das die Würde des Berufsstands zu wahren versucht, das sich kritisch zu wichtigen gesellschaftlichen Themen äußert, das weder eine politische Boulevardzeitung ist noch unter dem Einfluss von Finanz- und Geheimdienststrukturen steht“. Auf unserem Portal veröffentlichen Menschen aus  unterschiedlichen Berufen, verschiedener Altersstufen, Nationalitäten und Religionen ihre Texte. Und doch haben sie etwas gemeinsam, und zwar die offene und scharfe Kritik an den Behörden und an der Gesellschaft des Landes, in dem sie leben. Und das tun sie nicht, weil sie gerne kritisieren, sondern weil sie möchten, dass es besser wird. Wir sind für sie eine „Widerstandsenklave“ gegen den Irrsinn, der bei uns herrscht – ein „ethischer Unterschlupf“.

Wir haben zudem die Schule für kritisches Denken gegründet, die nun seit zwei Jahren mit dem Wunsch arbeitet, junge Menschen dazu anzuregen, nicht fortzugehen, sondern zu versuch en, die Realität kritisch zu reflektieren und dann auch zu handeln und zum Frieden und zu humanen Beziehungen zwischen den Menschen beizutragen. Wir sind auch als Verlag tätig, und haben inzwischen 7 wichtige Bücher herausgebracht. Außerdem veranstalten wir oft Foren zu aktuellen Themen, über welche die angesehenen „linken“ Intellektuellen reden.

Nach allem, was ich durchgemacht habe und allen Problemen zum Trotz, kann ich sagen: Es hat sich gelohnt! Es gibt keinen Preis, um auf die Beständigkeit, auf die Moral, mit einem Wort, darauf, ein Mensch zu sein, zu verzichten. Ihre Auszeichnung bestätigt mich in dieser Überzeugung.

Verzeihen Sie, dass ich die vorgesehene Zeit überschritten habe, aber ich musste das alles sagen – gerade hier, gerade heute und gerade Ihnen.

Noch einmal: Ich danke Ihnen. Vielen Dank.

Ein Europäer – Erinnerung an Predrag Matvejevic‘

Von Nenad Popović

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Am 2. Februar 2017 starb in Zagreb der Schriftsteller Predrag Matvejevic‘. Zwischen Matvejevic‘ und dem Verein „Journalisten helfen Journalisten“ gab es in den letzten Jahren nur noch wenige Kontakte. Er war auch kein Journalist, dem man helfen musste. Er selbst aber gab JhJ immer wieder Hinweise auf Journalisten  rund um den Mittelmeerraum, denen man helfen sollte.  Für die Journalistinnen und Journalisten, denen JhJ in den Jahren der Kriege auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawien half, war Matvejevic‘ immer eine wichtige intellektuelle und ihnen persönlich nahestehende Figur. Einer von ihnen, der kroatische Verleger Nenad Popovic‘, hielt anlässlich einer Trauerfeier für Matvejevic‘ in Zagreb eine Rede, die <a href=“http://journalistenhelfen.org/wp-content/uploads/2017/02/predrag-matvejevic.pdf“>hier in Auszügen wiedergegeben wird</a>. Foto: OH.

Neue Heimat

Von Korbinian Eisenberger

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Eines Morgens kam Olaleye Akintola, ein geflüchteter Journalist aus Nigeria, in die Ebersberger Lokalredaktion der Süddeutschen Zeitung, stellte sich vor und sagte, er würde gerne für die SZ schreiben. Aus seinem Besuch entstand die wöchentliche SZ-Kolumne „Neue Heimat“. Sie soll geflüchteten Autoren und den Lesern der SZ eine neue Perspektive bieten. Weiterlesen. Foto: Peter Hinz-Rosin, SZ (Olaleye Akintola (r.) im Gespräch mit Walter Brilmayer).

 

Johann-Philipp-Palm-Preis 2016

Eine Rede anlässlich der Verleihung, von Hubert Spiegel (FAZ)

Wer bestimmt eigentlich, welche Wörter in ein Wörterbuch aufgenommen werden und welche nicht? Das ist, historisch betrachtet, Aufgabe der Wörterbuchredaktionen. Aber wer hat die Wörterbuchredaktionen inthronisiert, wer erteilte den Auftrag, wer gab ihnen die Macht, woher beziehen sie ihre Legitimität? (Foto: oh) Weiterlesen.

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Akademiker für den Frieden (Türkei): Laudatio von Christiane Schlötzer (SZ)

Tausende Verhaftungen, Entlassungen, Gerichtsprozesse, Enteignungen, wer zählt sie noch? Akademiker, Journalisten, Unternehmer, Offiziere, Richter, Lehrer, Gouverneure, Hochschulrektoren, Abgeordnete, die Vorsitzenden der mehrheitlich kurdischen HDP, die eigentlich eine Bündnispartei ist, der auch Sozialisten, Feministinnen und Umweltaktivisten angehören. Betroffen sind mehr als 120 000 Menschen und ihre Familien, Angehörige, deren Pässe ungültig gemacht wurden, Kinder, die von Schulen verwiesen wurden. Wer kennt noch all ihre Namen? Ihr Vergehen: Gegnerschaft oder auch nur vermeintliche Gegnerschaft zu einem Mann, dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. 2016 ist das Horrorjahr der Türkei. Weiterlesen.

Gute Nachrichten aus einem schwarzen Jahr 2016

Newsroom der Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd) in Frankfurt am Main am 18.08.2011.

Newsroom der Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes.

 

Von Christiane Schlötzer und Carl Wilhelm Macke

Das Jahr 2017 könnte ein schwarzes Jahr für den Journalismus werden… In der Türkei waren zu Beginn des neuen Jahres 149 Journalisten und Medienschaffende in Haft (nach einer Auflistung der türkischen Medienplattform P 24, die u.a. auch Verleger mitrechnet). Das Committee to Protect Journalists (CPJ) in New York zählte zuletzt 81 inhaftierte türkische Journalisten. Schon 2016 hat JhJ begonnen, mehrere türkische Kolleginnen und Kollegen und ihre Familien an verschiedenen Orten zu unterstützen.

Wir werden dies auch weiterhin tun. JhJ hat 2016 auch Hilfen an Journalisten und ihre Angehörigen aus zahlreichen anderen Ländern geleistet, sie kamen unter anderem aus Somalia, Burundi und Uganda, aus Syrienund Pakistan, Jemen, Usbekistan, Iran.Es gab auch immer wieder „gute“ Nachrichten im vergangenen Jahr: So konnten zum Beispiel der pakistanische Kollege Tahir Yousaf, seine beiden Kinder und seine Frau, die von uns seit dreieinhalb Jahren in der Türkei betreut wurden, wo sie als Flüchtlinge lebten, endlich in die USA ausreisen und ein neues Leben beginnen. Eine iranische Kollegin, ebenfalls in der Türkei als Flüchtling von uns begleitet, durfte nach langen Mühen offiziell nach Kanada umsiedeln.

Wir haben in vielen Fällen Hilfe zum alltäglichen Überleben geleistet, medizinisch notwendige Behandlungen bezahlt, Menschen, die ins Exil gezwungen wurden, beigestanden und – nicht minder wichtig – Kolleginnen und Kollegen, wo das ging, journalistische Arbeitsmöglichkeiten verschafft.

Zudem hat JhJ sein internationales Netzwerk noch enger im Sinne einer ‚Civil Globalization’ geknüpft, dabei auch die Zusammenarbeit mit ‚Reporter ohne Grenzen’ vertieft, und wieder viele, kleine und große Spenden erhalten, ohne die wir unsere ehrenamtliche Vereinsarbeit nicht fortsetzen könnten. Wir danken allen unseren Spendern und Vereinsmitgliedern und wir bitten Sie und Euch, uns auch weiterhin zu unterstützen.

Changing lanes

By Meera Jamal

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Looking at the colourful display of my cakes, that represent beauty, colours, creativity and my passion for them, people who have known me from my journalist days, always ask, “But what about journalism?“. My answer that, “I am happy making cakes“, never seems to satisfy them. They would then go on explaining how well I use to write and how well-appreciated my articles were.

The truth is, making cakes is my escape from the reality around me. It kind of satisfy my innate wish to make things look beautiful, pleasant and appealing — something, that I never achieved working as a journalist. I now help people celebrate their happiness, something, that I hardly did while being a journalist. Read full article. Foto: Privat.

18 Jahre Haft für äthiopischen Journalisten

Der Journalist Eskinder Nega wurde im September 2011 festgenommen, nachdem er regierungskritische Artikel geschrieben hatte, in denen er den Schutz der Meinungs- und Vereinigungsfreiheit forderte. Im Juni 2012 wurde er wegen terroristischer Straftaten schuldig gesprochen und einen Monat später zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt.

Eskinder Nega ist den äthiopischen Behörden schon lange ein Dorn im Auge. Er wurde bereits acht Mal aufgrund seiner Arbeit als Journalist festgenommen und strafrechtlich verfolgt. Sowohl Eskinder Nega als auch seine Ehefrau Serkalem Fasil, die ebenfalls Journalistin ist, waren zwischen 2005 und 2007 inhaftiert. Serkalem Fasil brachte im Gefängnis ihren Sohn Nafkot zur Welt . . . Weiterlesen.

Singen mit dem Feind

Hass, Unwissen, Korruption und Machthunger vergiften seit Jahrzehnten die Atmosphäre zwischen Kongolesen und Ruandern. Die beiden Nachbarländer haben zahlreiche Kriege geführt. Ethnische Hetze, Falschinformation und Manipulation der Bevölkerung sind allgegenwärtig. Viele Medien in der Region verstärken die Zwietracht statt objektiv aufzuklären. Sie werden so Teil des Problems. Vier junge Reporter und Artisten wollen nun gegensteuern. Fiston Muhindo, Arsène Arky, Maxime Rindiro und Yves Nkuyemuruge haben mit finanzieller Unterstützung der deutschen Botschaft in Kinshasa ein Musikvideo gedreht (siehe Link). In dem Song „Afrika steh‘ auf“ rufen sie zur Versöhnung der beiden Völker auf und ermuntern ihre jungen Landsleute, eine friedliche Gesellschaft zu schaffen. weiterlesen