Singen mit dem Feind

Hass, Unwissen, Korruption und Machthunger vergiften seit Jahrzehnten die Atmosphäre zwischen Kongolesen und Ruandern. Die beiden Nachbarländer haben zahlreiche Kriege geführt. Ethnische Hetze, Falschinformation und Manipulation der Bevölkerung sind allgegenwärtig. Viele Medien in der Region verstärken die Zwietracht statt objektiv aufzuklären. Sie werden so Teil des Problems. Vier junge Reporter und Artisten wollen nun gegensteuern. Fiston Muhindo, Arsène Arky, Maxime Rindiro und Yves Nkuyemuruge haben mit finanzieller Unterstützung der deutschen Botschaft in Kinshasa ein Musikvideo gedreht (siehe Link). In dem Song „Afrika steh‘ auf“ rufen sie zur Versöhnung der beiden Völker auf und ermuntern ihre jungen Landsleute, eine friedliche Gesellschaft zu schaffen. weiterlesen

Die Journalisten nehmen an einem grenzüberschreitenden Ausbildungsprojekt teil, das die Hilfsorganisationen Brot für die Welt und die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) vor einigen Jahren ins Leben gerufen haben. Auch JHJ hat einzelne Journalisten des Projekts bereits unterstützt. In dem Projekt lernen Nachwuchskräfte das journalistische Handwerk sowie Kultur und Geschichte der Nachbarn kennen.

Die Kongolesen Fiston und Arsène und die Ruander Maxime und Yves haben sich bei Praktika im jeweiligen Nachbarland kennengelernt. Schnell haben sie gemerkt, dass ihre Liebe zur Musik – gemeinsam mit dem Journalismus – einen Beitrag zur Aufklärung der Bevölkerung leisten kann. Sie haben das Video bereits in einer Schule in Goma, Provinzhauptstadt im Ostkongo, gezeigt und mit den Jugendlichen über das zerrüttete Verhältnis zwischen den Nachbarstaaten diskutiert. Der Kommentar eines Schülers: „Ich dachte, die Ruander kommen nur über die Grenze, um uns zu töten. Und jetzt singen sie plötzlich mit uns. Ich bin komplett verwirrt.“

Zum Denken anregen, das ist genau, was Fiston, Arsène, Yves und Maxime wollen. „Wir müssen informieren, erklären und aufklären“, sagt Fiston, Reporter beim Kommunalradio Tayna in Goma. Er glaubt an die Kraft unabhängiger Medien. Wie sonst sollte aus seiner von Gewalt und Armut geprägten Heimat je ein friedliche Region werden? Wie sonst sollten Jugendliche lernen, an ihre Zukunft zu glauben?