Eine Pazifistin als Kriegsphotographin

Zum Tod von Anja Niedringhaus (1965 – 2014)

Von Carl-Wilhelm Macke

Anja Niedringhaus

Die Anfang April 2014 in Afghanistan ermordetete Photographin Anja Niedringhaus war seit vielen Jahren auch Mitglied von Journalisten helfen Journalisten. Da sie oft wie eine Getriebene von einem Kriegsschauplatz zum anderen flog um dort Aufnahmen zu machen, war es schwer, sie einmal in Ruhe an irgendwelchen “friedlichen” Orten zwischen Genf und einem deutschen Ort persönlich zu treffen. weiterlesen

Allerdings hatten wir einige Male einen Mail-Kontakt, in dem sie uns ihre jeweiligen Aufenthaltsorte kurz mitteilte. Zuletzt hatte sie uns kurz vor ihrem Abflug nach Afghanistan ein von ihr aufgenommenes Foto aus dem irakischen Falludscha zur Veröffentlichung auf der Homepage von JhJ zur Verfügung gestellt. Erst jetzt, nach ihrem gewaltsamen Tod bekommt diese unspektakuläre Mail einen für uns besonderen Wert. Photographen von ihrer Professionalität und Erfahrung sind in diesen Zeiten eines uns überflutenden, oft sprach- und handlungsunfähig machenden “Bilder-Tsunamis” von großer Bedeutung.

Auf Anja Niedringhaus konnte man sich da immer verlassen. Jede Art von Manipulation der Bilder war ihr wie jede Form von Helden-Ikonografie zuwider. Die Realität, die sie in ihren Bildern einfing, war und ist leider in vielen Weltregionen immer noch von Gewalt und kältestem Zynismus geprägt, wie man sie in vielen ihrer Photographien bis zur Schmerz-grenze wahrnehmen kann. Bilder, die so gut, professionell und von humanitären Ideen geleitet sind, wie das bei Anja Niedringhaus der Fall war, spiegeln die Wirklichkeit in ihrer ganzen Brutalität, Gewalt und Hoffnungslosigkeit wieder. Und sie können uns vielleicht so bewegen und erschüttern, dass wir uns dazu aufgefordert sehen, zur “Weltverbesserung” in der uns möglichen Form beizutragen. So wie es Anja Niedringhaus ja auch selber gesehen hat: „Ich kann nur immer wieder hoffen, dass die Arbeit, die ich mache, etwas bewirkt“.

Ob ihre Arbeit als Photographin ihren Blick auf Kriege verändert habe, wurde Anja Niedringhaus in einem ihrer letzten Gespräche gefragt. “Ja, sehr. Wir glauben im Westen immer noch, dass man Frieden mit Militär und Waffen herstellen kann. Aber damit erreicht man nichts. Ich bin zur größten Pazifistin geworden, seit ich in diesen Gebieten arbeite.
Mit Panzern löst man keine Probleme”.

Mit diesem Bekenntnis, vor allem aber mit ihren Bildern hat Anja Niedringhaus Orientierungen gegeben, die bleiben…

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